Recycling-Mauerwerk

Glosse zu Neuentwicklungen im Mauerwerksbau

Bisher kamen die wesentlichen Impulse zu neuen Mauerwerksmacharten von der produzierenden Industrie wie beispielsweise Zahnziegel, Wärmedämm-Mörtel, Dünnbettmauerwerk, großformatige Steine etc..

 

Neuerdings erlebt man bei Begehungen zu Rohbau-Abnahmen eine Spielart des Mauerwerkbaus quer durch alle vier Steinarten, die von ausführenden Firmen liebevoll als sogenanntes Recycling-Mauerwerk bezeichnet wird. Was verbirgt sich dahinter ?

 

Dies ist Mauerwerk, bei dem der Unternehmer Steinbruchstücke, Schnittreste und manchmal auch Mörtelreste direkt dem Mauerwerksverband wieder zuführt und so – die an sich unnötigen - Containerfüllungen minimiert, manchmal sogar gänzlich verhindert.

 

Die Fotos 1 und 2 zeigen die geschickte Nutzung von geschnittenen Dreistein- bzw. Mehrsteinkörpern im Trauf- und Innenbereich. Diese Stellen erinnern den Bauherrn durch nette Risse auch nach Jahren noch daran erinnern, dass sich hier der Unternehmer Bauschuttgebühren sparen konnte.

Foto 1 Dreisteinkörper im            Recycling-Mauerwerk
Foto 1 Dreisteinkörper im Recycling-Mauerwerk
Foto 2 Mehrsteinkörper im            Recycling-Mauerwerk
Foto 2 Mehrsteinkörper im Recycling-Mauerwerk
Foto 3 Hochkant vermauerte Steine im            Sturz- und Auflagerbereich
Foto 3 Hochkant vermauerte Steine im Sturz- und Auflagerbereich

Foto 3 zeigt den Sturzbereich eines nichttragenden Mauerwerks, das – da ja nichttragend – auch mit Socken und Gummibärtüten hätte ausgestopft werden können, hier – welch´ Luxus – mit hochkant vermauerten Lochsteinen geziert wurde (auf die hochkant vermauerten Steine als Sturzauflager wird hier nicht eingegangen).

Besonders nette Mörtelverschmierungen und Fugenbilder zeigen die Fotos 4 und 5; damit dem Putz nicht langweilig wird, ändert sich die Putzhaftung, sowie die Putzfestigkeit selbst alle 10 cm. Wie rücksichtsvoll.

 

Man möge auch nicht die Vorteile beim künftigen Abbruch verkennen, als die kleinen Bruchstücke nicht mehr gesondert zerkleinert werden müssen, da sich diese im Vorfeld bereits der Deponiegeometrie angepasst haben.

Foto 4 Der "Putzgrund" im            Recycling-Mauerwerk
Foto 4 Der "Putzgrund" im Recycling-Mauerwerk
Foto 5 Charmantes Fugenspiel im Recycling-Mauerwerk
Foto 5 Charmantes Fugenspiel im Recycling-Mauerwerk

Alles in allem ein Schritt in die richtige Richtung?

Versöhnender Epilog

Eine Glosse hat den Sinn zu überspitzen, die o.g Aussagen sind jedoch durch Unternehmer- Aussprüche verbürgt, die wirklich Schuttgebühren reduzieren wollten.

 

Im Ernst: Ich hege langsam Zweifel, ob die Sachverständigen-Forderung nach maßgerechtem, vollfugigem, im Verband erstelltem sauberem Mauerwerk noch auf der Basis der allgemein anerkannten Regeln der Technik (A.a.R.d.T) erfolgen kann, betrachtet man die Realität der Ausführung zwischen Rostock und dem Bodensee landauf – landab.

Dies klingt wie der allseits bekannte Kanon des Jammers, dass ohnedies alles schlechter werde und früher alles besser war. Nein, so sind die Ausführungen hier nicht gemeint! Ich sehe vielmehr allen Ernstes Argumentationsschwierigkeiten entgegen, wenn es in den A.a.r.d.T. heißt, Mauerwerk müßte aus Steinen nach DIN 1053 § 5.1 im Verband nach § 9.3 und Fugen nach § 9.2 bestehen und die Praxis kümmert sich nicht darum. Auch die Meinung, nichttragendes Mauerwerk müsse keinerlei Anforderungen entsprechen, da ja definitionsgemäß nichttragend, kann nicht hingenommen werden (vgl. DIN 4103).

 

Ein Charakteristikum der A.a.R.d.T lautet, dass es sich hierbei um einen Kenntnisstand handelt, der sich u.a. in der Praxis als bekannt und bewährt darstellt. Wenn aber maßgerechtes, vollfugiges, im Verband erstelltes sauberes Mauerwerk sich als der Praxis unbekannt zeigt, stellt sich die Frage, ob eben solches berechtigt gefordert werden kann.

 

Konterkarrierend kommt auch die Bauherrn-Ignoranz hinzu. Bauherren, die jeden stecknadelkopfgroßen Korrosionsfleck am neuen BMW mit DM 1.000,00 in Abzug bringen würden, schließen sich beim Flickschustermauerwerk der Bilder 1 bis 5 – ausgelaugt nach einstündiger Diskussion - der Bauträger- und Maurermeinung an, dass letztlich doch alle Mängel durch den Putz überdeckt werden würden.

Praktiziertes realistisches Fazit

Natürlich muß gegen diese Spielvariante des kostensparenden Bauens von Bauherrn-, Planer- und Gutachterseite vorgegangen werden, und es müssen die künftigen Qualitätsansprüche - da eine Nachbesserung meist nicht mehr möglich ist - "erzieherisch" über Minderungen des Werklohns gesichert werden.

Diese Gedanken dienen als Aufruf und Aufruhr zur Diskussion; weitere kritische Gedanken folgen.

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